«Alle Jahre wieder, kommt der Kantonsratspräsident und hält seine Schlussrede. Aber keine Angst, ich singe nicht. Ich könnte jetzt sagen, ich hätte alles gemacht was möglich war, manchmal sogar mehr. Sogar ein erstes Mal in meinem Leben freiwillig eine Krawatte getragen, (ausserhalb Militär und Hochzeit) gut nur einen Tag, aber immerhin. Für eure Toleranz auch diesbezüglich danke ich herzlich.

Vielleicht braucht ihr auch jetzt nochmals Toleranz. 50% werden sich vielleicht ärgern, ich weiss nur nicht, welche 50%. Danke aber euch für die gute Disziplin, auch an einem reinen Interpellationstag. 

Danke Beat von der Haustechnik
Dem Andi und Fritz als Weibeln,
Danke Rolf und seinen Polizisten
Der wunderbaren Silvia, welche mit grossem Herz und strengem Blick dafür sorgt, dass alles seinen Weg geht und Michael Strebel und allen Mitarbeitenden. Beim neuen Ratssekretär können wir getrost sagen, in Anlehnung an die Kantonsratspräsidenten-Feier von Balsthal. Dort hat’s geheissen Orange is the new Black. Hier heisst es: Michael is the new Fritz. Danke natürlich meiner Frau Mina für ihre Unterstützung und Verständnis in diesem Jahr. (Gut, es war glaub’s nicht so schlimm, sie findet es ja schade, dass das Jahr schon vorbei ist) Und den 5 hier vorne, liebe Regierungsräte. Ich will nicht gerade sagen, ihr seid mir ans Herz gewachsen, aber es isch guet gsi. 

Man ist hier vorne etwas einsam, hat nicht viele andere und weglaufen kann man auch nicht. Gut, manchmal konnte man seine Fragen auch direkt loswerden. Nach dem 8. FDP-Sprecher zu «so-fein» konnte ich es mir nicht verklemmen, den Remo Ankli zu fragen, ob man das nicht einfach in der FDP-Fraktion hätte besprechen können? Aber das ändert natürlich nichts meiner früher erwähnten Haltung: Vertraut der Regierung, aber glaubt ihr nicht alles.

Mein Ziel war, für die Normalos da zu sein, eben nicht nur das Besondere, das Spezielle, das Laute. Und schön war und ist, dass man gerade da, gerade bei sogenannten alltäglichen Anlässen, spezielle Leute findet. Wenn ich hier beginnen würde aufzuzählen, das gäbe eine never-ending-Story.

Dann hatte ich noch dieses kleine Ziel. Dass ihr das Niederamt kennenlernt. Ich bin überzeugt, nicht alle kannten diese Region. Wir kennen das Weite, wir kennen Barcelona und London, und Spanien besser als unsere weitere Heimat. Wir kennen das WWW besser als unsere Nachbarn. Das ist schade und gefährlich, wenn die Nachbarn dann eben auch im WWW sind und nur ihre eigenen Blasen leben. Dann brauchen wir keine Migranten mehr, um Probleme mit Parallelwelten zu haben.

Es gab Debatten, da habe ich mir hier drinnen schon ein paar Fragen gestellt und durfte nichts sagen. Nicht nur bei den Poststellen. Und nicht nur hier drin: z.B.: Thema Muslim oder Islam. Ich selber bin in eine katholische Familie hineingeboren worden, und habe es wie ihr alle wisst, im Gegensatz zu Remo Ankli, immerhin zum Oberministrant gebracht. An der Feier hat mir ja der CVP Schweiz Chef quasi ein Transferangebot gemacht. Zuhanden des Protokolls: Ich lehne dankend ab. Meine Frau Mina ist wie wir alle auch irgendwo zufällig auf die Welt gekommen. Sie ist in Marokko geboren und damit zufällig Moslem. Andere Menschen sind sonst irgendwo rein zufällig geboren worden. Wahrscheinlich deswegen, aber auch schon vorher habe ich mich immer gewundert, wie man eine Debatte führen kann, als ob man über Marsmenschen redet und nicht um Menschen, die um uns herum und bei uns leben.

Meine Frau hat mal in einem Team in einem Alters- und Pflegeheim gearbeitet, da waren 5 von 6 Mitarbeitenden Muslime. Die 6. kam aus Thailand. Da musste ich schon denken: Was sind wir für ein Volk, was für eine Diskussion? Überall sehen wir Gefahren, leuchten die roten Lampen. Aber bei unseren Liebsten, da spielt es dann keine Rolle? Sind uns dann unsere Liebsten nicht lieb genug, oder die Pflegenden halt doch Teil von uns? Damit wir uns recht verstehen. Wenn es nach mir ginge, wäre z.B. diese „Lies-verteil-Aktion“ schon längst verboten. Und ich bin dafür, klar durchzusetzen, was gilt und was nicht. Aber umgekehrt alles zu verbieten und zu regeln, was eigentlich privat ist? Wir brauchen aber auch nicht die eigene Kultur abzuschalten oder gleichzuschalten mit irgendwas aus lauter Angst, man könnte etwas diskriminieren.

Aber was mir total auf den Geist geht. Wen behandeln, hofieren unsere Medien, unsere Politik als prominenteste Vertreter des Islam in der Schweiz? Nicolas Blanco, Qaasim Illi (geboren als Patric Jerome) Nora Illi. Viel absurder geht es nicht. Hors-sol Extremisten auf allen Kanälen und als Dauergast in Talkshows? Mir scheint dieses Problem aber grundsätzlicher Natur zu sein. Medial kommt heute gross raus, wer extreme Positionen vertritt. Mit Schlagwörtern um sich wirft. Das ist spannend, das bringt Klicks. Das bringt aber auch Probleme. Wir diskutieren dann eben häufig nicht die richtigen Themen.

Auch bei meiner aktuellen politischen Herzensangelegenheit hat sich gezeigt, es ist nicht so, wie uns oft glauben gemacht wird. Beim sogenannten Generationenkonflikt oder eben -Krieg, dem herbeigeredeten, herkonstruierten. Man konstruiert ein Gegensatz zwischen Alt und Jung. Die Jungen, die jetzt genug haben von den Alten und darum z.B. die Rentenreform ablehnen. Zum Held des knappen Neins wurde ein Präsident einer Jungpartei zelebriert. Aber danach zeigte sich, aber nur klein und versteckt wiedergegeben: Die Jungen waren ja dafür, die bereits Pensionierten dagegen. Und ich habe mich erwischt, auch ich bin reingefallen.

Vor uns steht eine Abstimmung, die ich als absolut entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft anschaue. Natürlich mache ich mir Sorgen über die Medienzukunft dieses Landes, natürlich denke ich, ohne Informationen gibt es keine Demokratie. Das kann man natürlich auch anders sehen. Aber wirklich zu denken gibt mir die Haltung, die da sagt: Ich brauche die SRG nicht, also wieso soll ich zahlen? Das seien nur Zwangs-Gebühren. Wieso soll ich für etwas zahlen, was mir nicht direkt offensichtlich etwas bringt. Schon bei der Abstimmung um die Rentenreform bekam man ziemlich viele solche Aussagen zu lesen. Typischerweise häufig auf den asozialen Medien.

Liebe KollegInnen, wenn man sich dieses übersteigerte Ego-Getue für sich, für uns weiterdenkt? Ja, was dann. Wenn wir also unser dickes Voranschlag-Buch zur Hand nehmen. Und wenn man dann durchgeht, was man, also ich direkt brauche, na dann brauch ich als Urs Huber die Polizei, etwas Gesundheit, (aber nur in meiner Region, ganz wenig Soziales, (man weiss ja nie,  ) ÖV und ein wenig Strassen. Den Rest kann ich mir sparen. Das gäbe dann schöne Budgetdiskussionen. Nicht etwas mehr oder weniger, sondern Alles oder Nichts.  Guet Nacht am Föifi. Und ich zahle dann für alles separat. Bei der Umfahrung Klus ginge es nicht nur um ja oder nein, sondern wenn ja, dann nur gegen Einzahlung von 200.-- Bei Kultur am Bau Separatrechnung von 1.55. usw. Naturschutz für 15.00 usw. Es ist meine tiefste Überzeugung: Als Prepaid-Gesellschaft wird dieses Land keine Zukunft haben. Diese Haltung ist nicht modern, auch nicht back to the future, sie führt ins Abseits.

In diesem Jahr war ich quasi Entlassungspräsident, als Gewerkschafter eigentlich eine sehr unangenehme Rolle. Anfang März durfte ich das alte Parlament entlassen, insbesondere 15 Kolleginnen und Kollegen definitiv verabschieden. Im August dann die Entlassung, also der Abschied in den politischen oder beruflichen Ruhestand von Weibel, Ratssekretär und 2 Regierungsräten. Wohl aus lauter Gewohnheit habe ich dann noch Entlassungsfeiern für Armeeangehörige besucht.
Ich möchte den Dank wiederholen, den ich dieses Jahr schon mal ausgesprochen habe. Denn ich denke, heute ist zu viel selbstverständlich und es wird zu wenig gedankt.

Trotz meinen paar Jährchen hier im Kantonsrat gab es auch dieses Jahr Sachen, die gab es noch nicht, oder Sachen; die gibt’s nicht.
- Wenn ich nur an die Dezember-Session denke: z.B.:
Die berühmte Gesangseinlage, immerhin hielt die sich an die Teilnahmeregeln des Eurovision Contest: Switzerland Zero Point. (Gut, der Alterspräsident donnerte ja vorher schon eine Arie von hier oben, so schnell dreht sich das Rad der Geschichte)
- Oder ganz bemerkenswert: Der Rolf Sommer als Unternehmensberater! Das hatte immerhin eine innere Logik.
- Und dann die Sache mit den Kommissionssprechern: Jaqueline Ehrsam und de Georg Nussbaumer. Motto vom Georg. Was du chasch, kann ich noch lange. 
- Und dann unser Fürst, also der Regierungsrat. Der in geradezu absolutistischer Manier, eben wie ein Fürst, nachdem schon alle abgekämpft und müde waren auf dem Schlachtfeld lagen, erscheint er als typisch gnädiger Herr von Solothurn und verkündet; man verzichte auf die 5 Millionen. Sache geht’s!
- Der kälteste Winter seit langem, sogar im Ratssaal hat man es gespürt
- Und bemerkenswert ist es eigentlich nicht, höchstens erwähnenswert. Zum 1. Mal sassen 2 Regierungsrätinnen auf den 5 Stühlen, und die Welt ist nicht untergegangen.

In der modernen Welt muss ja alles messbar sein. Wenn man also so fragen will, wie war denn die Performance des Parlaments 2017? Zum Glück muss ich da nicht antworten. Wie misst man das? Viele Vorstösse, viele erledigte Vorstösse? Ist es jetzt gut, dieses Jahr für das Budget 2 ½ Tage beraten zu haben oder alles in einem Tag wie letztes Jahr? Ein Journalist hat in einem Kommentar vor nicht allzu langer Zeit geschrieben. Hallo Kantonsrat – die Flughöhe stimmt noch nicht. Da war ich sogar mal gleicher Meinung, obwohl der Kantonsratspräsident ja eben keine Meinung hat, oder so. Nur – die dann aufgeführten Beispiele für relevante Geschäfte, ob die jetzt die richtigen Themen waren, das ist wieder Ansichtssache. 
Aber wir hier, in unserem Land, haben schon wichtige Themen, Probleme von heute und in der Zukunft. Diese sollten im Mittelpunkt stehen. Manchmal habe ich heutzutage aber den Eindruck, wir, also alle, die Politiker, die Medien, uns geht es schon schampar gut, wenn ich sehe, welche Themen welches Gewicht haben.

Manchmal denke ich dann, wir sind fast bei der amerikanischen Luftfahrt angekommen, auch bei gewissen Vorstössen und Debatten, fast ein Hilferuf: Da hiess es ja, wenn es ernst wurde:    Houston, we have a problem! Heute glaub ich zu verstehen:    Houston, we need a problem! Kümmern wir uns um die echten Fragen und machen wir nicht aus allem ein Problem.

Bei einer meiner Eröffnungsrede im Januar hatte ich auch ein paar politische Wünsche, es sind leider keine grossen Wunder passiert z.B.: Leider ist weit und breit kein Ende der Zubetonierung unseres Landes zu sehen, auch Ende 2017. Ich wünschte mir irgendwann wieder eine Medienvielfalt, die diesen Namen verdient. Nun denn: War wohl nichts. Ich halte es extrem problematisch für die Demokratie, für die Meinungsbildung in unserem Land, was zurzeit passiert. Mit dem Zusammenschluss der AZ Medien und der NZZ, werden in 13 Kantonen der Deutschschweiz und dem geplanten Mantel einen Einheitsbrei auf den Tisch bekommen. Interessant ist, was der Verleger Peter Wanner, als AZ-Medien-Besitzer, unser regionaler Print-Monopolist dazu sagte: Wettbewerb steigert Qualität, senkt Kosten, fördert Vielfalt. Natürlich sagte Herr Wanner das am 28. Oktober in seiner eigenen Monopolzeitung nicht zu seinen eigenen Plänen, sondern er sprach im Kontext der No Billag-Initiative. Ich wünschte mir, dass ältere Berufstätige eine faire Chance haben, wenn sie die Stelle verlieren. Na ja. Ich wünschte mir, dass die Industrie in diesem Land mindestens eine solche Lobby hat wie die Finanzwelt. Und so kann ich nun auch Herrn Merkle in die Rede integrieren. Ich war am Industrietag bei Agathon eingeladen. Herr Merkle hat mir imponiert. Er hat quasi am Franken-Schock-Tag 2015 die Firma mit-übernommen, heute scheint die Firma sehr gut unterwegs zu sein. Man sieht ja immer nur eine Fassade, aber auf jeden Fall hat die Firma die ganzen Franken-Schock-Schwierigkeiten ohne Entlassungen durchgestanden. Er und andere Unternehmer lassen hoffen, dass die Industrie gerade bei uns durchaus eine Zukunft hat. Wie sagte Herr Merkle: Wir müssen ja noch etwas herstellen, wir können uns nicht nur gegenseitig die Haare schneiden. Natürlich sind es auch andere, nicht nur Herr Merkle. Aber ich bin vorsichtig geworden hier mit Namen nennen. Ich habe mal in Obergösgen 2 Firmen nacheinander in der Dorfzeitung zu Obergösgern des Jahres gemacht. Kurz darauf hatten sie beide Probleme, einer hat noch einen Bruchteil der Angestellten und die andere Firma gibt’s nicht mehr. Dafür konnten wir im früheren Firmengebäude, der Pyramide, unseren Kantonsratsausflug beenden. Mir wäre es lieber, das wäre gar nie möglich gewesen.

Wenn ihr nun denkt, das alles sei etwas pessimistisch, dann habt ihre vielleicht recht. Aber ihr wisst ja, die grössten Pessimisten sind die grössten Optimisten: Es kann nur besser kommen. Es kann nur besser kommen, in diesem Sinne wünsche ich meinem Nachfolger Urs alles Gute!

Ich werde da Platz nehmen, wo 1989 alles angefangen hat. Nachdem Josef Maushart mein Angebot abgelehnt hat, werde ich auf dem gleichen Platz sitzen wie damals. Ganz links aussen oder ganz rechts aussen. Eben, alles eine Sache der Perspektive. Auf jeden Fall am nächsten zur Tür. Ich freue mich darauf.

Liebe Kollegen und Kolleginnen
Habt Sorge zu unserem Land. Das heisst für mich nicht, habt Sorge um eine Fahne oder eine Hymne, oder eine Schlachtfeier. Alles Gut und Recht! Habt Sorge zu unserem Land heisst für mich vor allem eines. Habt Sorge zu den Menschen in diesem Land! Ich glaube an den Kanton Solothurn. Mir gefällt auch das Solothurner Lied. S’sich immer e so gsi, sich immer e so gsi. Vielleicht muss man aber auch mal was ändern, damit man weiter sagen kann: es isch immer e so gsi.

Aber bei allen Veränderungen, häbet Sorg zu de Menschen!
In diesem Sinne, Häbet Sorge, häbet Sorg auch zu euch! Gerade in dieser Jahreszeit! Ich für mich kann sagen: 
Es isch schön gsi! Es war mir eine Ehre!»

21. Dez 2017