Wasser ist für unser aller Leben unabdingbar. Es verbindet die Menschen mit allen anderen Lebewesen, Völkern und Kulturen – im reichen Norden ebenso wie im armen Süden. Wasser ist kostbar, aber auch knapp. Das ist im Norden von Sri Lanka nicht anders als bei uns. Dort hat der Schweizer Verein Thannir deshalb verschiedene Wasserprojekte lanciert.

Die Ärmsten und Vergessenen in der Nähe der Stadt Kilinochchi im nördlichen, tamilischen Siedlungsgebiete brauchen unsere Unterstützung. Der Verein Thannir – Wasser hat dort 33 Kleinprojekte aufgegleist. Es geht vor allem um Grundwasserpumpen und um zwei Sodbrunnen, daneben auch um Schulmaterial und den Aufbau eines Handwerkbetriebs. 

Der Verein Thannir leistet direkte Hilfe. Alle Spenden fliessen in die Projektarbeit. Für die Administration wird kein Rappen gebraucht. Auch sonst trägt der Vereinsvorstand viele Unkosten selber.
Vor dem Brunnenbau muss namentlich die Tiefe des Grundwasserspiegels, die Bodenbeschaffenheit, die Wasserqualität, das geeignete Pumpenmodell und die eventuelle Stromzufuhr abgeklärt werden. Das erfordert eine gute und seriöse Vorbereitung. Ein Lokalangestellter in Sri Lanka und eine Expertenrunde in der Schweiz helfen da mit. 
Zwei Gründungsmitglieder des Vereins, Yoha und Sutha, waren schon öfters im Gebiet. Weitere Reisen ins Hilfsgebiet sind geplant, um allfällige Unwägbarkeiten vor Ort mit eigenen Augen abzuklären und eine möglichst problemfreie Verwirklichung der Projekte zu garantieren. Die meisten Projekte kosten um die 700 Fr. Sie können auch in Partnerschaft übernommen werden.
Sri Lanka liegt in den Tropen. Dennoch gibt es Trockengebiete, in denen das Wasser schnell im Boden versickert. In der Region Vannis, d.h. dem Grüngürtel zwischen dem Norden und dem Süden, wurden seit Jahrzehnten arme Tamilen angesiedelt, darunter viele «Teepflücker-Tamilen». Sie trugen die Hauptlast des Bürgerkriegs. Viele wurden von den Tamil Tigers als Guerilla rekrutiert. Deshalb finden sich heute, zehn Jahre nach Beendigung des Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen, in diesem Gebiet viele kriegsversehrte Menschen. Traumatisierte Männer, Frauen und Kinder, vielfach in prekären Verhältnissen oder mit fehlenden Gliedmassen, trifft man hier häufig an. Diese abgelegenen Gebiete sind nicht einfach zugänglich und wurden und werden von staatlicher Hilfe und den Hilfswerken übersehen.
Zurzeit sammelt der Verein Thannir Hilfsgelder und überlegt sich, wie er all die Projekte finanzieren könnte. Aktiv ist vorab der Vorstand. Er setzte sich im neuen Vereinsjahr das Ziel, weitere Mitglieder mit ihren Ideen und Anregungen zu aktivieren und ins Crowdfunding einzubinden. Thannir schrieb auch verschiedene Institutionen religiöser und weltlicher Provenienz an. Die Konkurrenz ist aber gross. Laut Medienberichten gibt es über 7000 kleine und grosse Hilfswerke in der Schweiz. Fast jeden Tag landen Bettelbriefe in den Briefkasten. Manchmal fühlen sich damit die Empfänger und Empfängerinnen überfordert. 
Der Verein Thannir hat sich deshalb entschieden, vorab auf persönlicher Ebene Werbung zu machen und bei persönlich Bekannten Geld zu sammeln. Alle Angeschriebene kennen Yoha, Sutha oder ein anderes Vorstandsmitglied. Dies erleichtert es, einen direkten Dialog mit den Spenderinnen und Spendern zu führen.
Der Verein Thannir wird zudem im Studienjahr 18/19 vom "Tamilischen Verein der Studierenden" (TaVS) unterstützt. Dies ist eine Vereinigung von meist schweizerischen Tamilen der zweiten Generation. TaVS besteht aus verschiedensten Persönlichkeiten, die sich für die tamilische Kultur interessieren und einsetzen. Jedes Jahr veranstaltet der TaVS ein «charity event», das dieses Jahr unserem Projekt zu Gute kommt. Dies bildet eine grosse Ermutigung weiterzumachen.

Der Verein Thannir – Wasser: Vorstandsmitglieder

Yogharaja Alvar - Gasinathar (Yoha): «Ich kam Ende 1982 aus Sri Lanka in die Schweiz. In Sri Lanka war ich an Leib und Leben gefährdet und musste um meine Existenz und mein Leben fürchten. Eine von mir aufgebaute Schule im Norden Sri Lankas wurde abgebrannt und ich wurde mit dem Tod bedroht. 
Ende 1982 gelang mir die Flucht in die Schweiz. Ich lernte das Berufsleben in der Schweiz aus verschiedener Warte kenn. Meistens hatte ich Hilfsjobs und Teilzeitarbeiten in Restaurationsbetrieben und vor allem im Druckgewerbe. Ich bin Witwer und habe drei Kinder: Mehala, Hasini und Krusha. Leider verstarb meine Frau an Krebs. Daneben entwarf ich Theaterstücke und Filmscripts und schreibe auch für tamilische Zeitschriften. Die Theaterstücke «zero degree – sehr heiss», «Mutter Meer und Vater Berg», «Wilhelm Tell» wurden in Bern und Langenthal aufgeführt und die Filme («die Klasse, die Blüte der Jugend») fertig gedreht. Ich engagiere mich sozial, und ich bekämpfe das Kastensystem in Sri Lanka und in der Diaspora. Ich habe immer unterdrückten Menschen zu helfen versucht, damit es ihnen moralisch und ökonomisch besser geht.

"Ein grosses, fast unüberwindbares Problem in Sri Lanka ist das Kastenwesen."

Suthakaran Ganapathipillai (Sutha): 1984 wegen des Bürgerkriegs in die Schweiz gekommen, engagiert sich der der «SP Migrantinnen des Kantons Solothurn heute» in verschiedenen Freiwilligen-Organisationen Suthakaran Ganapathipillai arbeitet als Projektmanager (LEAN Management) für verschiedene der weltweit grössten Unternehmen in der Medizinaltechnik. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

«Ich hatte viel Glück in meinem Leben, ein Stück davon möchte ich mit der Freiwilligenarbeit weitergeben.» (Suthakaran Ganapathipillai)

Othmar Fellmann-Hool, Olten (Präsident): Ausbildung zum Lehrer am Seminar Hitzkirch LU und an der Universität Freiburg. Zwischen den Engagements an verschiedenen Schulen ausgedehnte Reisen, dann angestellt als Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes (Baalbek, Libanon), Mitarbeiter Caritas (Asylbewerberzentrum Olten). Politisch tätig in der Zentralamerikabewegung (Nicaragua - El Salvador Komitee Zofingen, Aufruf zum Handeln; Städtepartnerschaft Region Olten - Matagalpa); Solidaritätsarbeit mit tamilischen Gruppen und Einzelpersonen seit 1982. 

"Wir leben in einer Welt, die Aufteilung in vier Welten ist falsch. Der Nord - Südkonflikt muss im Interesse aller ein Ende finden. Eine fast unmöglich scheinende Aufgabe. Wir müssen uns in Zentraleuropa und insbesondere der Schweiz mehr für eine gerechte Weltordnung und eine ausgeglichene Weltwirtschaft einsetzen." (Othmar Fellmann-Hool)

Exkurs

O. Fellmann war einer der ersten Schweizer, der als Betreuer, angestellt beim Fürsorgeamt der Stadt Bern, mit Tamilen in Kontakt kam. Die meist scheuen jungen Männer, die vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflohen waren, hatten es anfangs sehr schwer. Aber schon die Engländer erkannten mit ihrer Devise «teile und herrsche» (divide ed impera) die fleissige und loyale Art der Tamilen und setzten sie vermehrt als Kolonialbeamte in Ceylon ein. Was dann später auch ein Grund für den Bürgerkrieg der Singhalesen im Süden gegen die Tamilen im Norden der Insel darstellte. So integrierten sich die Tamilen sehr gut in der Schweiz und passten sich unserem Arbeitsrhythmus schnell an. Die Schweiz profitiert bis heute von dieser Leistung. Der Verein Thannir möchte aber Tamilen und Schweizer, zwei Kulturen, die sich nicht näher kennen, etwas näher zusammenbringen. Wer weiss schon, dass Tamilen gern Cricket spielen, wer kennt ihre Küche oder wer ist sich bewusst, dass in tamilischen Bücherregalen auch Bücher von Nietzsche, Hawking oder Brecht stehen – in tamilischer Sprache? Jetzt, wo viele dieser Tamilen in das Pensionierungsalter kommen, wird einem bewusst, dass diese jahrzehntelang im Niedriglohnsektor arbeiteten und bei vielen das Geld knapp ist.

Der Verein Thannir – Wasser

Der Verein «Direkte Hilfe Thannir – Wasser» wurde auf die Initiative von Yoha Alvar-Gasinathar und Suthakaran Ganapathipillai vor zwei Jahren gegründet. Unterdessen ist er auf zwanzig Mitglieder (Tamilen und Schweizer) angewachsen. Yoha war seit seiner Pensionierung vor vier Jahren ein paarmal in seiner alten Heimat in Sri Lanka. In der Nähe Kilinochchis, einer Stadt im tamilischen Siedlungsgebiet im Norden Sri Lankas, traf er auf vom Krieg traumatisierte Menschen in bitterer Armut, denen es am Nötigsten fehlt. In diesem Gebiet haben wir 46 Familien direkte Hilfe versprochen, das heisst, lokale und regionale Betriebe installieren die der Umgebung und den Umständen am besten angepassten Rohr- oder Sodbrunnen (39 Familien). Wir haben auch diverse andere Anliegen aufgenommen (Nähmaschinen, Schafe, Schulmaterialien usw.).
Zur Zeit ist unsere Hauptaufgabe, Mittel zur Finanzierung der Projekte zu beschaffen. Wir suchen deshalb Mitglieder, die sich im Verein engagieren wollen. Es fehlt uns noch eine rechte Summe, um alle Projekte zu verwirklichen. Diesen Sommer werden wir aber mit einem Sodbrunnen für neun Familien und einigen anderen Kleinprojekten beginnen. Yoha weilt zu diesem Zwecke vom Juni bis zum September 2019 in Sri Lanka.
Wir freuen uns deshalb auch über weitere Eintritte in den Verein von Tamilinnen und Tamilen und von Schweizerinnen und Schweizern. Sie können sich über www.thannir.ch anmelden. Und, falls Sie Ihr Herz öffnen und uns spenden möchten: 

Direkte Hilfe Thannir – Wasser, CH63 8097 6000 0049 7365 4; Raiffeisenbank Weissenstein
Solothurnstr. 36, 2540 Grenchen; www.thannir.ch

06. Feb 2019