Urs Huber, Kantonsrat

Die Post tut weh. Fast jeden Tag. Unlängst konnte man in der Zeitung lesen, ab dem 1. Januar gebe es keine Zustellung von Paketen an Postfächer mehr. Ja nun, kann man sich denken, ist doch kein Problem. Kann es aber für zehntausende von KMU sein, die bisher morgens zur
Poststelle gingen, ihr Paket war dort, oder sie konnten es den ganzen Tag über mal holen, kein Problem. Neu müssen sie sich arrangieren, nicht unterwegs bei Kunden sein, wenn das Paket kommt. Irgendwann am Tag kommt dann das Paket. Und vor allem: Vor nicht allzu langer Zeit
verlangte die Post quasi ein Postfach, um gewisse Dienstleistungen zu erhalten. Die Post behandelt Kunden sehr oft nicht wie Kunden, sondern bloss als Teile ihrer neusten Vertriebsstrategie. Und: Schon wieder hat man das Poststellennetz demontiert und hat einen neuen Vorwand, Poststellen zu schliessen.

Die Post tut weh. Mir geht diese Manier des «Ihr-könnt-selberschauen-wie-ihr-zurechtkommt» auch persönlich an die Nieren. Ich habe 24 Jahre bei der PTT/Post gearbeitet, u. a. Lehrlinge ausgebildet, als Schichtleiter im Postzentrum Däniken, am Schluss als Poststellenleiter in Schönenwerd. Und gekündigt habe ich schlussendlich darum, weil man sich gegenüber den
Kunden jeden Tag für den neusten «kundenfreundlichen» Service-Abbau entschuldigen musste. Das war 2004 und seither macht die Post, was sie will. Sie erpresst die Gemeinden bei Poststellenschliessungen, sie nötigt Kunden teurere Preise auf, normale Basisangebote werden
plötzlich kostenpflichtige Zusatzleistungen. Und das Personal leidet: Bei meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen geht es heute oft nur noch nach dem Motto: Vogel friss oder stirb oder «den Letzten beissen die Hunde». Langjährige Pöstler stehen vor dem Nichts.

Die Post macht, was sie will.
Warum kann sie das? Warum lässt man sie? Warum lassen wir sie? Alle schauten weg und lamentieren. Die Postchefs sind doch nicht die gnädigen Herren (und Damen) von heute! Dieses Untertanenverhalten der zuständigen Behörden, von Bundesrätin Leuthard bis zu den Kantonsregierungen, muss aufhören. Darum hat die SP-Fraktion im Kantonsrat auch einen Vorstoss erfolgreich eingereicht, der auch die Solothurner Regierung zu aktivem Widerstand statt Kopfnickerei beim Poststellen-Kahlschlag zwingen will. Denn: Die Post gehört dem Volk, übrigens immer noch zu 100 %. Und nicht das Volk der Post! Urs Huber, Kantonsrat aus Obergösgen

31. Aug 2017