SP-Archiv wird geordnet und gezügelt
Vor zwei Jahren beschloss die Geschäftsleitung, die umfangreichen Akten im Sekretariat seit Beginn der SP des Kantons Solothurn (also seit etwa 120 Jahren) in ein öffentliches Archiv überzuführen. Das Staatsarchiv des Kantons Solothurn zeigte Interesse, die geordneten und mit Verzeichnis versehenen Akten als dauernde Leihgabe entgegenzunehmen, zu betreuen und der Forschung zugänglich zu machen.
In den vergangenen Monaten habe ich 30 Laufmeter Papier, Ordner, Schachteln voll loser Blätter gesichtet, bewertet, ausgeschieden und geordnet. Nach 230 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden sind nun die Protokolle, Strategiepapiere, Briefwechsel mit lobenden und erzürnten Parteimitgliedern, Nachrufe, allerlei sonstige Akten, Kleinschriften, Fotos, Ansteckknöpfe, Wahlprospekte, SP-Nastücher usw. in 127 säurefreien Archivschachteln verpackt. Dazu kommen 15 Folianten in Übergrösse und einige Rollen mit Plakaten.
Zusätzlich habe ich einen Aktenplan erstellt, der künftig die tägliche Aktenablage im Sekretariat erleichtern soll und auch die Grundlage bildet für die kommenden periodischen Ablieferungen ins Staatsarchiv.
Trouvaillen und Lücken
Unter den Akten finden sich interessante Dossiers wie dasjenige des von Ernst Leuenberger gegründeten Politischen Arbeitskreises (PAK) aus den 70er-Jahren oder Unterlagen des proletarischen Frauenbundes Gerlafingen oder den Widerstand gegen den Rangierbahnhof Niederamt. Leider hat es auch Lücken im Archiv, so fehlen die Vorstandsprotokolle von 1904-1911 und diejenigen von 1918-1930 sowie der Jahresbericht von 1949, weiter diverse GL- und Parteitagsprotokolle, Wahl- und sonstige Unterlagen. Ich wäre sehr froh, wenn sich diese Lücken noch schliessen liessen (Liste der Archiv-Lücken ist beim Parteisekretär erhältlich).
Wozu ein Archiv?
Ein geordnetes Archiv ist nicht nur nützlich für künftige Parteijubiläen, es ist auch eine Hilfe für die aktuelle Parteipolitik. Ein Beispiel: Der Entscheid, bei den Nationalratswahlen 2011 mit zwei verbundenen SP-Listen anzutreten gab parteiintern viel zu reden. Schon 1991 trat die SP mit zwei Listen (jung und alt) an. Die Überlegungen dazu und die nachfolgenden damaligen Analysen konnten in die aktuelle Diskussion einbezogen werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch ein Schreiben der SP Olten vom November 1983, worin man feststellt, dass es trotz sehr gutem Wähleranteil in Olten wiederum nicht gelungen ist einen der beiden – noch dazu freien – SP-Sitze mit einer Vertretung aus dem unteren Kantonsteil zu besetzen und dass immer mehr Stimmen laut würden, die zwei verbundene regionale SP-Listen verlangen. Eine gute regionale Verteilung der SP-Mandatäre war offensichtlich immer wieder ein wichtiges Thema in der SP.
Ernste Männer im Halbprofil
Beim Ordnen der Wahlprospekte fällt auf, dass früher ganz andere Kriterien zählten für eine ansprechende Gestaltung. In den Prospekten der 1950-er und 60er-Jahre sehen wir Genossen im Halbprofil, von der Seite her beleuchtet mit durchwegs ernstem Gesichtsausdruck, passend zur hohen Verantwortung des angestrebten Amtes. Heute strahlen und lachen die Kandidatinnen und Kandidaten aus den Wahlprospekten, dass man meinen könnte die Tagespolitik sei das reinste Honigschlecken. Besonders vertrauenserweckend und sympathisch machte sich damals auch eine Pfeife im Mund, heute im Zeitalter der Raucherverfolgung undenkbar.
Geschichte geht weiter
Bei der Sichtung unserer Archivakten wurde mir einmal mehr bewusst, wie viel wir in den letzten über 120 Jahren gearbeitet und erreicht haben. Ebenso deutlich ging aus den Akten hervor, wie wichtig das enorme ehrenamtliche Engagement von unzähligen Parteimitgliedern und Mandatären für das Wirken der SP war. Mit einer gewissen Demut und Gelassenheit lässt sich auch feststellen, dass es vor uns eine aktive SP Solothurn gab mit klugen und engagierten Köpfen und es auch nach uns hoffentlich eine starke SP mit aktiven Mitgliedern geben wird, die im Wissen um ihre Geschichte und ihre Wurzeln weiterhin für eine soziale und gerechte Gesellschaft kämpfen werden.
Georg Hasenfratz, lic.phil.I / Historiker, alt Kantonsrat, Olten






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